16. July 2017

„Und nächstes Jahr sind hier die 22 Meter fällig!“

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Am Ende des 20. Gothaer Schloss-Meetings stand David Storl gemeinsam mit Nahla, Töchterchen seiner Lebensgefährtin Marie (2.v.l.), im Ring und verhalf ihr augenzwinkernd zu einem großen Erfolgserlebnis im Rosengarten (Foto: Wolfgang Gleichmar).

Als David Storl gestern gegen Mittag die frisch präparierte Anlage im Rosengarten unter die Lupe nahm, gingen die Daumen rasch nach oben. Sein Gesichtsausdruck verriet unbändige Vorfreude und großen Tatendrang. Passend dazu machte der 26-Jährige noch ein paar Scherze. Bevor er schließlich ins Hotel am Schlosspark ging, war er noch am (Basket)ball und versenkte mal eben noch mit spielerischer Leichtigkeit drei Würfe aus riesiger Entfernung in einem Streetballkorb. Motto: Läuft!

Am Nachmittag setzte David Storl seinen guten Lauf fort. Bereits beim Einstoßen für den Herren-Wettbewerb des 20. Gothaer Schloss-Meetings sorgte der Athlet vom SC DHfK Leipzig mehrfach für lautes Raunen im Rosengarten, das wenig später in einen lauten Jubelsturm der rund 1000 Zuschauer münden sollte. Denn im zweiten Versuch wuchtete „Storli“ die 7,26 Kilogramm schwere Kugel auf 21,87 Meter. Mit dieser Weite verbesserte er seinen Meeting-Rekord aus dem Jahr 2015 gleich um 19 Zentimeter und sorgte zweifelsfrei für das sportliche Highlight beim Jubiläum.

„Gotha zählt ja schon lange zu meinen Lieblingsmeetings, aber in diesem Jahr hat es mir besonders viel Spaß gemacht“, sagte David Storl unmittelbar nach seinem vierten Sieg in Folge beim Schloss-Meeting. „Das war heute der perfekte Test vor der Weltmeisterschaft in London. Zudem denke ich, dass der neue Meeting-Rekord auch ein passendes Geschenk zum Jubiläum war – und im nächsten Jahr sind dann hier die 22 Meter fällig!“

Top-Resultate gab es aber auch kurz zuvor beim ewig jungen Duell der Rollis. Hier setzte sich Nils Paschold (SV Schwarza 1883 / 8,45 Meter) durch und revanchierte sich bei Marco Pompe (Basketball in Gotha / 8,00 Meter) für die Vorjahres-Niederlage.

Für den Meeting-Auftakt nach Maß hatte Sara Gambetta gesorgt. Die 24-Jährige, die wie ihr Vereinskollege David Storl in der Vorwoche bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt den Titel holte, dominierte das Klassement bei den Damen. Gleich im ersten Versuch verbesserte sie ihren Hausrekord auf 18,22 Meter, im zweiten Durchgang steigerte sie sich sogar auf 18,46 Meter. Auch bei ihren drei weiteren gültigen Stößen übertraf die ehemalige Siebenkämpferin jeweils ihre alte Bestmarke (18,14 Meter). Kein Wunder also, dass sie letztlich rundum zufrieden war: „Ich mag die Wettkämpfe wie in Gotha, wo die Zuschauer richtig nah dran sind und die Atmosphäre nicht so bierernst ist. Das macht wirklich Spaß hier – erst recht, wenn es so gut läuft wie heute bei mir.“

Richtig gut lief es auch für Andy Dittmar. Beflügelt von der prächtigen Kulisse legte der Lokalmatador und Meeting-Initiator den besten Wettkampf seit einer kleinen Ewigkeit hin. Gleich dreimal übertraf der 43-Jährige die 18-Meter-Marke, die für ihn persönlich die Spreu vom Weizen trennt. Sein bester Versuch wurde mit 18,38 Meter vermessen – Platz fünf in der Gesamtwertung der Herren, Saison-Bestleistung und stärkste Weite bei seinem"Heimspiel" seit 2013. 

Doch nicht „nur“ ob der eigenen Leistung war Andy Dittmar gestern happy: „Mit der 20. Auflage unseres Meetings haben wir in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe gesetzt – es lief einfach wie ein Länderspiel. Der Zuschauerzuspruch, die Leistungen, die Stimmung, das Wetter – alles war perfekt!“

Am meisten freute sich Andy Dittmar jedoch über eine gelungene Überraschung, die gleichzeitig eine Herzensangelegenheit war. Kurz nach seinem Wettkampf überreichte er seinem Vater Michael Dittmar einen eigens gestalteten Kugelpokal (mit der Aufschrift: „Bester Meeting-Direktor der Welt“) und sagte somit danke für die tatkräftige Unterstützung bei der Organisation in den zurückliegenden 20 Jahren. 

Zwei weitere originäre Schloss-Meeting-Kugelpokale gingen an die beiden Bundestrainer a.D. – Klaus Schneider und Werner Goldmann. Beide hatten vor allem in den Anfangsjahren maßgeblich dazu beigetragen, dass Gotha sich zu einer Hochburg des Kugelstoßens entwickeln konnte. 

Allerdings spielte Klaus Schneider den Ball ad hoc zurück: „Das kann man gar nicht hoch genug loben, was hier für die Sportart in den zurückliegenden Jahren geleistet wurde. So eine Wettkampf-Arena wie hier im Rosengarten ist für jeden Kugelstoßer etwas ganz Besonderes. Danke Micha, danke Andy - und danke natürlich auch an das tolle Publikum und alle Unterstützer hier in Gotha!“

Das wiederum war nicht das einzige Kompliment, das den Organisatoren des Kräftemessens vor historischer Kulisse gestern gemacht wurde. Schließlich spiegelte sich die besondere Wertschätzung für das Schloss-Meeting auch darin wider, dass zahlreiche ehemalige Teilnehmer und auch Weltklasse-Kugelstoßer von einst zum Jubiläum nach Gotha gekommen waren und das Event zu dem machten, als das es auch gedacht war: zu einer Art Klassentreffen der Sportart Kugelstoßen.

Stellvertretend für alle ehemaligen Aktiven warf Udo Beyer, Olympiasieger von 1976, den Athleten zu: „Genießt diesen Wettkampf und seid dankbar dafür, dass es so Verrückte im positiven Sinne gibt, die so etwas auf die Beine stellen!“

Dass das 20. Gothaer Schloss-Meeting den Gästen in bester Erinnerung bleiben wird, hat indes auch einen kulinarischen Grund. Denn Ralf Urban, Chef der Fleischerei Urban aus Gotha und seit vielen Jahren Unterstützer des Schloss-Meetings, verwöhnte die Athleten und Ehrengäste mit einem Spanferkel: sozusagen als saustarkes Jubiläumsgeschenk und in Kombination mit einem guten Oettinger Bier nur schwer zu toppen.

Bilder-Galerie von Sascha Fromm / Thüringer Allgemeine.

20. Gothaer Schloss-Meeting in Bildern von Dr. Bernd Seydel.

Beitrag von "Oscar am Freitag TV".

Bilder-Album von Wolfgang Gleichmar.

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